Schreiben Sie uns...!
Schreiben Sie uns...!
Mitglied werden
Mitglied werden

Warum sich der Rat von dem 40 Jahre alten Modell verabschieden sollte

 

Neue Stadthalle statt Brückentorsaal

 

RINTELN. Sasse sieht als Risiko, dass langfristig der Brückentorkomplex zum großen Teil Leerstand bleiben, im schlimmsten Fall eine „Bauruine“ werden könne.

Deshalb schlägt Sasse in einem Brief an alle seine Ratskollegen und Kolleginnen vor, die Stadt solle den Saal verkaufen und eine eigene Stadthalle bauen. Diese Idee ist zwar öffentlich schon angesprochen worden, aber meist unter der Hand, also „außerhalb des Protokolls“, nicht so konkret formuliert, wie das jetzt Sasse in seinem Brief gemacht und begründet hat.

Die Stadt baut eine neue Stadthalle bei geschätzten Kosten zwischen fünf bis sechs Millionen Euro. Das klingt auf den ersten Blick utopisch, doch Sasse hält das bei Betrachtung der Details für durchaus machbar.

Dieser Meinung ist offensichtlich auch Bürgermeister Thomas Priemer. Der hat nämlich nach unseren Informationen eine eigene Stellungnahme allen Ratsmitgliedern zukommen lassen, die in die gleiche Richtung geht. Bereits am Montag sollen sich die Fraktionsvorsitzenden gemeinsam mit Investor Norbert Dittel aus Bremen mit diesem Thema beschäftigen.

Sasse hat ein gewichtiges Argument, warum die Stadt den Saal verkaufen sollte: Auf Sicht werde man nämlich eine Menge Geld in den Saal investieren müssen. Nach einer (internen) Liste des Bauamtes kommt da eine sechsstellige Summe, möglicherweise sogar eine Million Euro zusammen.

Sanierungsbedürftig sind nach dieser Zusammenstellung die Sanitäranlagen im Keller (nicht behindertengerecht), Fußboden, Fenster (die haben keine Wärmedämmung) Lüftung, Beleuchtung (hier eine Umstellung auf stromsparende LED-Technik), Bühnentechnik und Elektronik. Und es gibt keine Klimaanlage im Saal.

Nach unseren Informationen ein Grund dafür, warum die Finanzschüler (und damit der Finanzminister) nicht mehr nach Rinteln zu den Begrüßungs- und Abschlussfeiern der Finanzschule kommen.

Auch andere Veranstalter sollen schon abgesagt haben, nachdem ihnen klar geworden ist, dass sie im Sommer im Saal schwitzen werden. Im Restaurant müssten ein neuer Rauchabzug und eine neue Technik für Fettabscheidung installiert werden.

Klar ist, sagt Sasse, dass der Investor die Modernisierung des (städtischen) Saales nicht tragen will. Sasses Rechnung sieht deshalb so aus: Die Sanierung des Saales wird eine Million Euro kosten. Die Miete an den Investor, Neben- und Unterhaltungskosten summieren sich in der Laufzeit des Mietvertrages auf 1,5 Millionen Euro. Damit werde die Stadt 2,5 Millionen Euro ausgeben. Habe aber nach Ablauf des Mietvertrages keinen eigenen Saal. Müsse also neu verhandeln und vermutlich erneut in den Saal investieren. Für Sasse ein schlechtes Geschäft.

Das nächste Problem: Sollte die Stadt in Saal und Restaurant investieren, steigt – logisch – der Wert dieser Teilimmobilie. Aber ohne Investor eben nicht gleichzeitig der Wert des Gesamtkomplexes. Was wiederum zur Folge hat, dass Verhandlungen mit einem neuen Investor nicht einfacher werden dürften.

Sasse betont, ihm sei in der Diskussion in den Gremien klar geworden: „Bei den Konditionen für die künftige Vermietung des Brückentorsaals sind wir, der Rat, mit dem Investor so weit auseinander, hier wird es keine Lösung geben. Schon deshalb sollten wir das Thema neu und anders angehen.“

Dass Sasse mit seiner Befürchtung, der Brückentorkomplex könne langfristig eine „ungepflegte Bauruine“ werden, nicht so ganz falsch liegt, darauf lässt die Aussage der Familie Schneidewind als Haupteigentümer schließen. Die hat unmissverständlich erklärt, man werde keinen Cent mehr in die Immobilie investieren außer in zwingend notwendige Unterhaltungsmaßnahmen.

Einig ist sich Sasse mit seinen Kollegen und Kolleginnen im Rat, dass ein Verkauf des Brückentor-Eigentums der Stadt zu den derzeit vom Investor angebotenen Konditionen nicht in Betracht kommt. Hier müsse nachverhandelt werden. Das hat Bürgermeister Thomas Priemer dem Investor auch schon mitgeteilt. Die Stadt habe nichts zu verschenken. Und trennt sich die Stadt von ihrem Saal, hat auch der Investor einen Vorteil. Er kann den Brückentorkomplex neu strukturieren und weitere Gewerbeflächen schaffen.

Sasse sagt: Mit dem Neubau eines Saales schaffe die Stadt einen Vermögenswert für die Zukunft. Betriebswirtschaftlich sei das sinnvoll. Die Finanzierungsvoraussetzungen seien historisch günstig. Der Verkaufserlös wie die eingesparten Sanierungskosten deckten einen Teil der Neubaukosten und aus den eingesparten Mietzahlungen könne die Stadt Zins und Tilgung bedienen.

Investor Norbert Dittel hat inzwischen eine Gesellschaft für die Brückentorsanierung mit einem Stammkapital von 25 000 Euro gegründet. Sasse sagt, jetzt hänge alles von der Gestaltung der notariellen Verträge ab, damit die Stadt auf der sicheren Seite sei.

Bleibt als letzte Frage, wenn die Stadt einen neuen Saal baut, dann wo? Hier hat Sasse konkrete Vorstellungen, die nach unseren Informationen auch der Bürgermeister teilt. Geeignet sei ein 7000 Quadratmeter großes Grundstück westlich der Burgfeldsweide (gehört bereits der Stadt) und ein Grundstück bei den Stadtwerken (gehört den Stadtwerken). Wobei Sasse wie Priemer den Standort an der Burgfeldsweide für besser halten. Der ist verkehrsgünstig zu erreichen, hat genügend Parkflächen und auch die Schulen könnten die neue Stadthalle nutzen. Das Überschwemmungsgebiet reicht übrigens nicht an das Baufeld heran.

Eine entscheidende Stellungnahme hat Sasse auch schon eingeholt. Nämlich beim Marketingverein Pro Rinteln. Sasse wollte wissen, ob die Stadt die zusätzlichen Gewerbeflächen im Brückentor überhaupt verkraften könnte. Antwort des Pro-Rinteln-Vorsitzenden Stefan Reineking: Ja.

veröffentlicht am 06.04.2018 um 16:45 Uhr

Ausgabe '570700 - Schaumburger Zeitung', 24.03.2018, Seite 9

Welche Perspektive sieht Ihre Partei für eine Verbesserung des innerstädtischen Verkehrs? Sollte die östliche Altstadt für den Verkehr gesperrt werden?

 

Eine Gesamtsperrung kommt nicht in Betracht. Dass allerdings um die Grundschule Süd herum eine Quasi-Umgehungsstraße läuft, ist ein Unding. Die Notwendigkeit, von der Weserbrücke durch die östliche Altstadt zum Kollegenplatz fahren zu können, vermag ich nicht zu erkennen. Nur insoweit ist eine Durchfahrtsbeschränkung sinnvoll; die Geschäfte müssen erreichbar bleiben.

 

Stehen Sie hinter der Verwaltungs-Position:“ Weniger Mülleimer bedeuten weniger Müll“ oder fordern sie mehr/noch weniger öffentliche Mülleimer?

 

Wer morgens durch den Blumenwall geht kann sehen, dass die Verwaltungsthese „weniger Mülleimer = weniger Müll“ Blödsinn ist. Ich glaube auch nicht, dass der Aufwand zum Leeren der Mülleimer größer ist, als der des Aufsammelns des weggeworfenen Mülls durch städtische Mitarbeiter. Und ich möchte auch niemandem zumuten, einen leeren Eisbecher oder eine Bananenschale in seiner Tasche wieder mit nach Hause nehmen zu müssen. Daher bin ich pro Mülleimer.

 

Was ist ihr Konzept für die Nachnutzung am Kollegienplatz?

 

Eine Kombination von Gewerbe, Verwaltung und Wohnnutzung. Möglich ist auch die Planung eines kommunalen Veranstaltungszentrums, das aus einem Verkauf des Brückentorsaalareals finanziert wird. Wir haben hier die einmalige Möglichkeit, auch die Fläche für einen innerstädtischen Nahversorger zu schaffen und müssen diese nutzen. Wichtig ist eine behutsame Planung, die Rücksicht auf die Baudenkmale des alten Gymnasiums, des Direktorenhauses, der Jacobi Kirche und des Rathauses nimmt.

 

Was sollte mittelfristig mit dem Brückentorkomplex geschehen?

 

Der Brückentorsaal ist stark sanierungsbedürftig. Wenn ein Alternativbau am Kollegienplatz erfolgt, kann die Immobilie verwertet werden. Ansonsten müssen wir insbesondere für das kulturelle Leben in Rinteln und die Vereine den Saal sanieren.

 

Wenn Sie fünf Millionen Euro nutzen könnten: Was würden Sie damit konkret in Rinteln verändern

 

Wenn ich die 5 Millionen nicht zur Schuldentilgung einsetzen würde, um künftige Generationen zu entlasten, sondern irgend eine Luxusausgabe planen müsste, würde ich zwischen Weserbrücke und Freibad eine Fußgänger-und Fahrradbrücke bauen, um den Hickhack auf der Weserbrücke zu entschärfen und den Weserradweg direkt in die Innenstadt zu führen. So ähnlich also wie die Minder Fußgängerbrücke über die Weser.

 

 

Und hier der gesamte Artikel in der Schaumburger Zeitung vom Samstag, den 03.09.2016

*****************